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Kunstaktion in der Gethsemanekirche: Zwei der Dreikönige wurden in Flüchtlingslagern festgehalten – Friedensgebet heute 18.00 Uhr (6.1.) nimmt Aktion als Thema auf

Weihnachtskrippe Gethsemane zwei_fehlen1 Foto P. Steudtner

Zwei der Dreikönige sind am 4. Januar 2020 in Berlin, Darmstadt, Frankfurt, Freiburg, Köln und Münster aus Krippen in Kirchen durch ein Künstlerinnenkollektiv entfernt worden. Die bundesweite Aktion „ausgeGRENZT – Dreikönige vor den Toren Europas“ macht auf die gravierende humanitäre Notlage in den Flüchtlingslagern an den europäischen Außengrenzen und innerhalb Europas sowie die menschenunwürdige Unterbringung in AnkERzentren in Deutschland aufmerksam. Die Aktion weist darauf hin, dass die Lager in Deutschland und an den europäischen Außengrenzen sofort geschlossen, die dort lebenden Menschen in Deutschland und anderen europäischen Staaten aufgenommen und dezentral untergebracht werden müssen. Nur so ist konsequenter Menschenrechtsschutz möglich. Ein König sitzt im Lager Moria auf Lesbos fest. Über 40.000 Geflüchtete sind in den europäischen Hotspot-Lagern auf den ägäischen Inseln zusammengepfercht. Ausgelegt sind diese Lager für insgesamt 6.200 Menschen. Die Situation ist eine humanitäre Katastrophe. Die Menschen hungern und sind kaum vor Kälte und Regen geschützt. Durch die miserable hygenische Situation breiten sich Krankheiten aus. Die europäischen Lager in Griechenland sind das Gesicht Europas, das die Geflüchteten auf ihrer Suche nach Sicherheit begrüßt. Ein weiterer König wird im Ankerzentrum Deggendorf (Bayern) festgehalten. Sein Ersuchen, den Messias mit Geschenken zu begrüßen, wird als offensichtlich unbegründet abgelehnt. Zur effektiveren Durchsetzung seiner Abschiebung darf er den Landkreis nicht verlassen. Im AnkERzentrum gibt es keinerlei Privatsphäre und oft nur mangelhafte medizinische Versorgung. Ausbleibende Beschulung von Kindern und beschränkter Zugang zu Rechtsberatung sind an der Tagesordnung. Diese kreative Aktion will aufrütteln und das Thema Lagerunterbringung neu in die gesellschaftliche Diskussion einbringen. Sie richtet sich nicht gegen die Kirchengemeinde.Zivigesellschaftliche Akteurinnen wie Flüchtlings-Initiativen, Stadtteilgruppen, Kulturschaffende,
Kirchengemeinden u.a. sollen ausdrücklich ermutigt werden, das Thema für sich aufzugreifen und sich der Kritik an Lagerunterbringung anzuschließen und an einer solidarischen Migrationspolitik mitzuarbeiten.

Unter @zwei_fehlen können Sie auf Twitter weitere Infos zu der bundesweiten Aktion bekommen.
Kontaktieren Sie uns gerne unter: zweifehlen@posteo.de

Peter Steudtner schreibt dazu:
Erst der Schock, dann die Solidarität

Heute nach dem Sonntagsgottesdienst der Schock: Wir hatten schon nur
zwei Könige in der Krippe in unserer Gethsemanekirche … und diese
sind: WEG! Nachdem ich den Diebstahl bemerkt hatte, stellte sich zum
Glück schnell heraus, dass sie nur vorübergehend als Teil der
bundesweiten Aktion „ausgeGRENZT -Dreikönige vor den Toren Europas“
entführt wurden.
Als Mitglied der Berliner Gethsemanegemeinde, mit ihrer Tradition des
Solidaritäts-, Freiheits- und Menschenrechtsengagements, nicht zuletzt
auch für mich und die anderen Istanbul10 nach unserer Inhaftierung im
Juli 2017 in der Türkei, stelle ich mich hinter diese Aktion, die
deutlich macht, wie unmenschlich und ungerecht die europäische
Flüchtlings- und Grenzpolitik ist.