1989–2019 – 30 Jahre danach

»Wachet und Betet« – das Wort aus dem Matthäus-Evangelium stand auf dem Transparent an der Gethsemanekirche im Herbst 1989 und wurde somit zu einem Motto der Fürbittgebete, der Mahnwache und der Fastenaktion vor nun mehr 30 Jahren.

Tausende Menschen kamen in diese Kirche und suchten Antworten auf Fragen, suchten Wege aus der Erstarrung, die das gesamte politische und gesellschaftliche Leben in dieser Zeit kennzeichnete, fanden Informationen und Alternativen zu Hass und Resignation. Zum Schutzraum vor physischer Gewalt wurde die Kirche am 7./8. Oktober 1989, als bewaffnete Polizeieinheiten und Kampftruppen den friedlichen Protesten auf den Straßen mit brutaler Gewalt begegneten. Brennende Kerzen und das gesungene »Dona Nobis Pacem – Gib uns Frieden« waren die Antworten auf Schlagstock und Hundestaffel.

Die friedliche Revolution des Herbstes 1989 ist heute noch ein Beispiel für die Macht gewaltlosen Widerstandes, für Zivilcourage und bürgerschaftliches Engagement, aber auch für die entscheidende Rolle, die einige evangelische Kirchengemeinden in diesem Prozess spielten. Zusammen mit der Nikolaikirche Leipzig und der Zionskirche Berlin ist die Gethsemanekirche im Prenzlauer Berg zum Symbol geworden.

Aus diesem Anlass lädt die Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord im Herbst 2019 zu verschiedenen Veranstaltungen ein.

Großer Dank gilt schon heute allen ehrenamtlich tätigen Gemeindegliedern der Evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord und Freunden, ohne die die Fülle an Vorbereitungen nicht möglich gewesen wäre.

Programm zum Herunterladen

Wachet und Betet! Gebet und Gespräch mit Zeitzeug*innen

Die Kölner Sängerin Hozan Canê, (Saide İnaç), vor 14 Monaten in der Türkei verhaftet und in einem Schnellverfahren verurteilt zu über 6 Jahren, wartet im Istanbuler Frauengefängnis auf die Wiederaufnahme ihres Prozesses. Für sie und andere engagiert sich „Wachet und Betet – Freiheit Jetzt!“ im täglichem Gebet und mit Solidaritätsaktionen.

Ursprünglicher Anlass zu den täglichen Gebeten um 18 Uhr war die Verhaftung von Peter Steudtner im Juli 2017. Gemeinsam mit neun Kolleg*innen (Istanbul 10) wurde er in der Türkei festgenommen.  

Während der Haft erfuhr Peter Steudtner von den Gebeten und begann zeitgleich im Gefängnis zu singen, was ihn und seine muslimischen Mitgefangenen stärkte.

1989 begann der Protest rund um die Gethsemanekirche mit einer Mahnwache für die zu Unrecht Inhaftierten.

Obwohl die Andachten täglich die Erinnerung an die Friedliche Revolution wecken, lädt die Gemeinde zum Jubiläum innerhalb der Andachten zu einer Reihe mit Zeitzeug*innen ein.

18 Uhr: Gebet für die zu Unrecht Inhaftierten
und Gespräche mit Zeitzeug*innen der Friedlichen Revolution 1989

Programmflyer zum Herunterladen

Programm (ausführlich)


18 Uhr: Gemeinsames Gebet, Gethsemanekirche
18:45–19:45: Gespräch zu 1989 und heute, Gethsemanekirche
ab 20 Uhr: Fortsetzung des Gespräches im Restaurant „März“, Nähe Kirchenportal
Moderation: Hannah-Maria Liedtke, Demokratiekunst

Di, 3.9.2019 Katrin Hattenhauer: „Für ein offnes Land mit freien Menschen.“

Mi, 11.9.2019 Markus Meckel: Gründungsfieber der Initiativen – die Machtfrage stellen oder nicht

So, 22.9.2019 Detlef Gesch: Ton Steine Scherben und der Mut, seinen Weg zu gehen

Di, 24.9.2019 Angela Kunze-Beiküfner: Wie ein Protest begann. Fasten als gewaltfreier Widerstand

Di, 1.10.2019 Bernd Albani: „Auf die Straße!“ – 9 Tage im Oktober. Der Protest gegen das SED-Regime gewinnt an Breite.

Fr, 11.10.2019 Evelyn Zupke: Mahnwache – ein Meilenstein der Revolution

Fr, 18.10.2019 Katharina Jany: Beten und Fasten. Das Brieftagebuch an meinen Mann, Marcellus, beim Grundwehrdienst als Bausoldat

Fr, 25.10.2019 Marianne Birthler: Das Kontakttelefon in der Gethsemanestraße 9

Fr, 1.11.2019 Dorle Simon-Zeiske und Christian Zeiske: Wenn die Menschenkette nur bei Grün die Straße überquert … Westberliner Sichtweisen

Di, 12.11.2019 Martin-Michael Passauer: … und die verdammte Ohnmacht – die Untersuchung der Übergriffe auf die Demonstranten vom 7.-9. Oktober

Eine Initiative von„Wachet und Betet – Freiheit Jetzt!“/ Evangelische Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord.
Sie möchten auch erzählen? Sehr gern. Nehmen Sie bitte Kontakt auf unter: hannahmaria.liedtke@berlin.de
M +49-(0)172-3261790

Sanierung der Gethsemanekirche – Festveranstaltung 14. September 2019 um 16 Uhr

Die Sanierung der Gethsemanekirche ist quasi abgeschlossen. Letzte Aufträge sind vom Gemeindekirchenrat beschlossen worden. Seit Anfang Juli wird jetzt das Gerüst am Turm abgebaut. Am 14. September 2019 um 16 Uhr werden wir den Abschluss der Außenarbeiten und ihre insbesondere finanzielle Unterstützung in feierlichem Rahmen mit Worten, Musik, einem Glas Sekt und vielen netten Gesprächen würdigen. Dazu sind Sie herzlich eingeladen!

Freude über Adıl Demirçis Rückkehr nach Köln. Solidarität mit Hozan Canê

Wir freuen uns mit Adıl Demirçi, seiner Familie und Freund*innen sowie Unterstützenden über seine Rückkehr nach Köln am 17.6.2019. Und wir bleiben solidarisch mit Hozan Canê, die weiterhin in der Türkei inhaftiert ist.

Am 23. März 2019 hat unsere Gemeinde in einem Schreiben an das Auswärtige Amt dringend darum gebeten, sich dieser Menschenrechtsverletzungen mit aller Konsequenz anzunehmen, die Familien weiter und stärker zu unterstützen und sich besonders für die Ausreise Adıl Demirçis nach Deutschland zu seiner krebskranken Mutter sowie für die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Hozan Canê einzusetzen.

Dieses Schreiben wurde vom Auswärtigen Amt an die beiden weitergeleitet, um sie über die große Solidarität in Kenntnis zu setzen, die ihre Fälle in Deutschland erfahren. Das Auswärtige Amt antwortete am 5.4.2019, dankte für die Andachten in der Gethsemanekirche und für die Solidarität mit den  Inhaftierten und beschrieb, in welcher Weise die Inhaftierten konsularisch betreut werden.

Zudem wurde benannt, dass sich die Bundesregierung für ein zügiges, faires und rechtsstaatlichen Prinzipien entsprechendes Verfahren sowie die Beendigung willkürlicher Inhaftierungen einsetzt.

Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Antwortschreiben.

Aktion zur Europawahl am Baugerüst der Gethsemanekirche

Zum Beginn der Europawahl am 23. Mai 2019 wird an der Gethsemanekirche in Berlin Prenzlauer Berg ein Kreis von 12 gelben Sternen auf dem blauen Grund des Schutznetzes am Turmgerüst angebracht. So wird das Symbol der Europäischen Union von der Stargarder Straße her von weitem über den Dächern des Prenzlauer Berg sichtbar sein.

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Kirchentag 19.– 23. Juni 2019 in Dortmund

»Was für ein Vertrauen«

Unter dieser Losung werden 100.000 Menschen in Dortmund den Deutschen Evangelischen Kirchentag feiern. 2.000 Veranstaltungen – Konzerte, Gottesdienste, Podien, Workshops und Diskussionen mit vielen prominenten Gästen – zu Themen wie Migration, Digitalisierung, sozialer Teilhabe und Europa warten darauf, entdeckt zu werden.

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Kraft – von der Inspiration durch beeindruckende Frauen

Astrid Lindgren, Frida Kahlo und Steffi Graf. Sophie Scholl, Malala Yousafzai und Rosa Parks. Über das Leben dieser Frauen und noch vieler anderer kann man jetzt in diesem Buch lesen: »Goodnight Stories For Rebel Girls«. Gute-Nacht-Geschichten für rebellische Mädchen. Alle darin portraitierten Frauen gingen ihren eigenen Weg – oft gegen viele Widerstände.

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Interessante Begegnungen im Stadtkloster

Wer weist uns heute den Weg?In der Bibel begegnen uns immer wieder Menschen, die mit unserem Alltag zu tun haben – mal mehr, mal weniger. In die AbendbeSINNungen haben wir Personen eingeladen, die heute eine ähnliche Aufgabe haben wie die recht bekannten Figuren der Weihnachtsgeschichte.

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Adıl Demirçi ist (fast) frei, Hozan Canê weiter im Gefängnis

Am 14. Februar kam die lang erhoffte Nachricht aus Istanbul: Der Kölner Sozialarbeiter und Journalist Adıl Demirçi wurde nach fast einem Jahr Haft entlassen. Das Verfahren gegen ihn und seine Mitangeklagten geht jedoch am 30. April weiter und er darf Istanbul nicht verlassen. Sein Bruder Tamer schrieb uns: »Uns geht es wirklich gut, meine Eltern telefonieren mehrmals am Tag mit meinen Bruder.

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